Hessischer Sonderlehrgang im MINT-Zentrum: Jetzt wird’s sauer!
Was passiert, wenn man eine Gruppe Studierender, ein Chemielabor und ein paar Dosen Energy Drinks zusammenbringt? Genau: Es wird gemessen, getropft, gerechnet – und am Ende wissen alle ein bisschen mehr darüber, was sie da eigentlich trinken.

Die Studierenden des Hessischen Sonderlehrgangs verbrachten einen Tag im Labor der Ludwig-Geißler-Schule und tauchten dort in die Welt der Säuren, Basen und Titrationen ein. Geleitet wurde der Labortag von Petra Neumann, die im MINT-Zentrum der Kathinka-Platzhoff-Stiftung arbeitet. Zwischen der Ludwig-Geißler-Schule und dem MINT-Zentrum besteht eine enge Kooperation, die solche praktischen Einblicke in die Welt der Naturwissenschaften ermöglicht.
Nach einer kurzen Einführung wurde es schnell praktisch. Denn zwei Fragen beschäftigen die Chemie besonders: Was ist drin – und wie viel davon? Für die zweite Frage kam die Titration ins Spiel. Die Studierenden lernten die Methode kennen, führten eigene Messungen durch und werteten die Ergebnisse anschließend aus. Dabei wurde schnell deutlich: Im Labor ist „Pi mal Daumen“ keine besonders gute Messmethode. Hier kommt es auf Genauigkeit an – manchmal sogar auf den berühmten einen Tropfen zu viel oder zu wenig. Pipetten wurden bedient, Lösungen vermischt und Messwerte notiert. Kurz gesagt: Es wurde wissenschaftlich gearbeitet und nicht einfach nur herumgetropft.
Besonders spannend wurde es bei der Analyse von Energy Drinks. Die bunten Dosen, die sonst vor allem eines versprechen, nämlich Energie, mussten nun zeigen, was chemisch wirklich in ihnen steckt. Und dabei wartete eine kleine Überraschung. Denn wer bisher dachte: „Der Zucker ist schlecht für die Zähne“, hat zwar nicht völlig falsch gedacht, aber eben auch nicht die ganze Geschichte erzählt. Die Säure ist ein mindestens ebenso interessanter Kandidat. Sie kann den Zahnschmelz angreifen und zur Zahnerosion beitragen. Der Energy Drink ist also nicht nur süß und wachmachend, sondern chemisch durchaus ziemlich sauer unterwegs. Damit wurde aus einem ganz normalen Getränk plötzlich ein spannendes Untersuchungsobjekt. Und aus einer theoretischen Methode wurde praktische Chemie, die einen direkten Bezug zum Alltag hat.
Der Labortag zeigte eindrucksvoll, dass Chemie nicht nur aus Formeln, Fachbegriffen und komplizierten Reaktionsgleichungen besteht. Manchmal reicht eine Pipette, ein bisschen Neugier und eine Dose Energy Drink, um festzustellen: Im Alltag steckt mehr Chemie, als man denkt. Und vielleicht wird beim nächsten Energy Drink ja nicht nur die Frage gestellt, ob er wach macht – sondern auch, was darin eigentlich so alles vor sich hin reagiert.


